gemeinsam überlegen und handeln

01/05/2019

 

„Zu denken, dass alles möglich ist…“ 

Für die verschiedenen „Bastionen der Schönheit“ haben wir die Verantwortung und das Vergnügen für sie einzutreten



Wie Ihr inzwischen wisst, sind wir fest davon überzeugt, dass die Wirkung des Konsortiums mit der der Biene vergleichbar ist, die sich aufgrund ihres Nahrungsbedarfs Vorteile für sich selbst, die Blumen und die gesamte Umwelt verschafft (hier die Geschichte dazu)!


Aber was sollen wir mit dem kleinen Überschuss an Honig machen, den wir manchmal produzieren können? Angesichts der Rolle, die wir in der Welt spielen und der hohen Ziele, die wir uns zusammen mit Euch setzen, können wir sicherlich nicht darauf abzielen, uns dicke Bäuche zuzulegen (tatsächlich befinden wir uns immer am Rande des Untergewichts...).

Wir erweitern unser wirtschaftliches Modell, welches wir für gewinnbringend halten, auf andere, die dessen würdig sind – selbstverständlich! Ehrlich gesagt ist das bereits ein hervorragendes Ergebnis. Aber auch das reicht für unsere Kohärenz nicht aus.

Wenn unser Ziel wirklich darin besteht, die Wirtschaft und die Beziehungen zwischen den Menschen zu verändern, dann muss unser Wachstum eine Steigerung des sozialen Nutzens und der Verbindungen bedeuten, um den von uns gewünschten Wandel zu implementieren und effektiv zu gestalten.

Es liegt daher in unserer Verantwortung, mit Handlungen in die Gesellschaft einzugreifen, die sich leicht von unserer täglichen wirtschaftlichen Tätigkeit lösen. Durch die Unterstützung anderer, die aus verschiedenen Gründen unseren Weg kreuzen, schaffen wir ein mehrdimensionales und buntes Gewebe, welches von grundlegender Bedeutung ist. Auch wenn dies weit weg vom Verkauf unserer Orangen entfernt ist, hoffen wir, so eine bessere Welt aufzubauen.


Häufig ist unser Eingreifen eine Reaktion auf Notfälle und wir versuchen immer, diejenigen zu unterstützen, die den Wunsch zeigen, kreativ und positiv auf menschliche Hässlichkeit, auf Diebstahl, Brandstiftung, Rassismus und Abschottung zu reagieren. Denn wir glauben, dass diese positive Kreativität genau das ist, was die neue Welt braucht.
Nicht alle diese Aktivitäten haben wir Euch kommuniziert, viele stammen aus dem Alltag unserer Arbeit. Bei vielen haben wir Euch hingegen mit einbezogen und Ihr habt immer mit Leidenschaft reagiert.  


Aber was ist aus den Projekten geworden, die wir einmal unterstützt haben?
Wir haben diejenigen gefragt, die unsere Unterstützung erhalten haben und es sind leidenschaftliche und bereichernde Geschichten, die wir gerne mit Euch teilen möchten.


  • Zunächst einmal möchten wir Euch zeigen, wie die Spenden für die Librino-Briganten nach der verheerenden Brandstiftung eingesetzt wurden, die das Clubhaus zerstört hat. Viele der Spenden kamen aus unserer Gemeinschaft aber auch von anderen aus nah und fern. Es hat den Librino-Briganten geholfen, sich nicht „allein in einer dunklen Gasse“ zu fühlen, sondern sie haben die notwendige Unterstützung erhalten, um nach der verheerenden Brandstiftung vor einem Jahr, noch stärker als zuvor, neu anzufangen.

 http://www.legallinefelici.it/images/briganti_nuova%20club%20house.png

Dank der vielen Spenden und der Arbeit vieler Freiwilliger wurde das zerstörte Clubhaus an einem anderen Ort „viel schöner als zuvor“ wiederaufgebaut. Wie in einer Prophezeiung vorhergesagt, die jetzt zu einer Legende geworden ist. 

Und so bleibt das Clubhaus San Teodoro auch weiterhin ein Ort, „an dem wir Alternativen zur Degradierung anbieten: der Garten, Hausaufgaben, Lesen, Schach, harte aber regelmäßige Rugby Spiele, Partys, Modeschauen, Gewichtstraining, Fußball, Pappmaché.

Es ist ein Ort, an dem die Schönheit Wurzeln geschlagen hat. Es ist ein Graben. Es ist ein Bollwerk.“

Mario, ein Brigante-Huhn, erzählt uns davon in diesem leidenschaftlichen Bericht.

 

  • http://www.legallinefelici.it/images/ieri%20fieri.jpgUnd welche Früchte hat unsere Unterstützung für das Projekt FIERi (Fabbrica Interculturale Ecosostenibile del Riuso) getragen?

 

Eine weitere Ecke der Schönheit wurde geboren, diesmal im Zentrum von Catania auf einem zuvor verlassenen öffentlichen Grundstück.
Und vor allem ist eine gemischte Genossenschaft aus Migranten und Italienern entstanden, die versucht, Arbeit in nachhaltigen Handwerksbereichen zu schaffen.

 

Hier findet Ihr noch ein paar weitere Wörter, geschrieben von Antonio D'Amico.

 

 

 

 

 

 

 

 

  • http://www.legallinefelici.it/images/vincenzo%20di%20dio.jpg

    Im letzten Jahr haben möglicherweise einige von Euch die gewünschten Tafeltrauben nicht erhalten.Und so wissen vielleicht einige von Euch, dass unserem Küken Vincenzo Di Dio (hier findet Ihr seine Hofvorstellung) nur wenige Tage vor der Auslieferung die geernteten Früchte aus zwei Anbaureihen gestohlen wurden.

 

Angesichts seiner prekären Lage entschied das Konsortium ihm dennoch einen Großteil der Produkte zu zahlen, die er hätte ausliefern sollen. Dies geschah unter der Bedingung, dass dieses Geld zur Wiederbelebung seines Hofes eingesetzt wird, der sich nach wie vor in einem halbverlassenen Zustand befindet.  

 

Und so beschloss Vincenzo neben der Neugestaltung der Weinberge einen Gemüsegarten anzulegen, um seine Region (Caltagirone) zu versorgen. Und nicht nur dies, er hat in Setzlinge, ein Bewässerungssystem und organischen Dünger investiert und arbeitet nun voller Begeisterung zusammen mit seinem Vater und zwei jungen Menschen, die zuvor im intensiven Weinbau gearbeitet haben und ausgebeutet wurden.
Jeden Tag auf dem Feld und unterwegs für die Auslieferungen, überwacht er sein Grundstück und hat eine weitere „Bastion der Schönheit“ ins Leben gerufen.
Hier findet Ihr eine E-Mail, die Michele Russo, Mitglied der Hühner und Kindheitsfreund von Vincenzo, an das Konsortium geschickt hat. Dies hat uns so ergriffen, dass wir es mit Euch teilen möchten.

 

Dies sind einige der Geschichten, die uns gut gefallen und bei denen wir glauben, dass es notwendig ist, dank Euch, unseren kleinen Beitrag zu leisten.


Danke!

 




26/03/2019

 

„Nessun uomo è un’isola“

= Kein Mensch ist eine Insel

https://lh3.googleusercontent.com/_LqHdE6dAGytmkMyfsmyFnYuzLFjdwQfSTci7W3p94hOTKJGafGQI_RAJIoeyRynFCsCo-xyP6Dd7lXJZ8iKLwTy7X5JUXtPy0NxzenMEIAedXaSWyL9v2OIyMbEkXxrB5SUgCACab 13. März auch in vielen italienischen Kinos

hier findet Ihr den Trailer auf italienisch – aber auch mit deutschen Interviewteilen.

(Ein Film, der Hoffnung gibt, indem er verschiedene nachhaltige Gedanken und Ideen vorstellt: unter anderem sind LeGallineFelici mit dabei)


Wir sind ein Bauernkonsortium und unsere Hauptaktivität besteht darin, die Orangen zu verkaufen, die an unseren Bäumen wachsen.

Aber wir wissen auch gut (und darauf sind wir stolz!), dass zusammen mit unseren Orangen auch IDEEN und Lebensstile reisen, sich verbreiten und weiterentwickeln.

Dass unsere Orangen auch gut geeignet sind, Menschen zusammenzubringen und um Beziehungen zu fördern.

Und dass unsere Tätigkeit auch sozial ist.

Und kulturell.

Und politisch.

Sowohl für uns Hühner als auch für alle entlang unserer gesamten Lieferkette.


Denn dank dem Verkauf unserer Produkte:

Können wir versuchen, eine "gute Praxis" in unserer kleinen Form umzusetzen, indem wir unsere Spuren in der Landschaft hinterlassen und unseren Nachbarn zeigen, dass eine andere Art der Landwirtschaft, des Lebens und der Beziehungen möglich ist.

Wir können uns selbst immer wieder „anstecken“ bzw. entwickeln, indem wir mit jungen Europäern und der Welt zusammenarbeiten.

Wir können bewussten Verbrauchergruppen einen zusätzlichen Vorwand geben, sich dem Wandel anzuschließen und aktiv daran mitzuwirken.

Und noch viel mehr. 

 

Und wir wissen auch, dass wir nicht die Einzigen sind: Überall auf der Welt gibt es ein übersprudelndes Leben, Projekte und Gemeinschaften, die das System leise von unten verändern. Landwirte, Pädagogen, Schreiner, Ärzte, Journalisten, Informatiker (...), die jeweils das tun, was sie am besten können, um neue und wertvolle Lebensmodelle zu realisieren.

Und viele von uns beginnen, den Kopf von unserer anstrengenden täglichen Arbeit zu heben (was zwar allein nicht ausreicht), um Beziehungen mit denen zu knüpfen, die sich in dieselbe Richtung bewegen. 

Denn wir haben verstanden, dass gerade in dieser Zeit der generellen kulturellen Verarmung, der "Lobotomisierung" und der Vereinfachung der Überlegungen (0/1, schwarz/weiß, schön/hässlich, gut/schlecht) und des teilweise vorherrschenden Analphabetismus eine Unabhängigkeit und ein isoliertes Streben für die eigenen Werte nicht möglich ist;

"Dass es sinnlos ist, ein eigenes schönes und sauberes Haus zu haben, wenn es draußen einen Bombenhagel gibt".

Und dass zusammen das Ergebnis unserer harten Arbeit multipliziert werden kann und so sogar versucht werden kann, diese "Bombenhagel" zu stoppen.

Ein lokales Ja also, aber stark international miteinander verbunden, in einem komplexen multidimensionalen Beziehungsgeflecht. Wir wollen eine Gemeinschaft, die die Möglichkeit (und die Freude, die Schönheit sowie die Anstrengung) einer anderen Art der Ernährung, der Landwirtschaft, des Reisens, des Bauens und, kurz gesagt, des Lebens aufzeigt.

Eine konstruktive und nicht gegnerische Art.

Eine Art, die weitererzählt werden sollte, um denjenigen, die noch zu tief in der grauen Realität stecken und sich deren Existenz noch gar nicht so richtig vorstellen können, Vertrauen und Hoffnung zu geben.


Deshalb scheint es uns wichtig, die Kultur zu fördern, die wir wollen, und nicht nur die Wirtschaft. Die Kultur, die unserem Tun Stimme und Substanz verleiht.


Wir danken Dominique Marchais dafür, dass er uns mit seinem wunderschönen Film "Kein Mensch ist eine Insel" auf so intensive und effektive Weise ein Beispiel gegeben hat.

Der Film wird selbst in italienischen Kinos sehr kurz sein. Wir laden Euch herzlich ein, ihn zu sehen. Da manche Interviews sogar auf Deutsch sind und eine Übersetzung für die Schweiz entstanden ist, wird es vielleicht möglich sein, ihn in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen. Für nähere Informationen bzw. die Anfrage, ob oder wo der Film ausgestrahlt wird, kontaktiert am besten: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (den internationalen Verkäufer „doc and film“).

Personen in der Schweiz können sich direkt an den Verleiher Abel Davoine ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) wenden


Wenn wir darüber hinaus einen weiteren Beitrag zur Verflechtung dieses farbenfrohen kulturellen Gefüges leisten wollen, glauben wir, dass wir auch andere wichtige kleine Aktionen europäischer Freunde fördern sollten, um der Atrophie des Gehirns entgegenzuwirken. Auf italienischer und französischer Ebene tun wir das bereits und hoffen, wir können es weiter auf Europa ausweiten.

Falls Ihr selbst mit Independent- bzw. Programmkinos in Verbindung steht und denkt, diese könnten an einer Vernetzung europäischer Kinos und der Verbreitung konstruktiv-kritischer Filme (wie z.B. genau „kein Mensch ist eine Insel“) interessiert sein, könnt Ihr gerne an Yannick, Freund des Cafè des Images, aus Caen, schreiben.


Gute Visionen

Gute Reflexionen

Und gute Taten!


Eure Hühner

 




2/03/2019

CON-CORRERE = GEMEINSAM LAUFEN

(con-correre ist der Wortursprung von concorrenza, dt. Konkurrenz;
dieser Newsletter fokussiert sich auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes und nicht den reinen Wettkampf, den wir heutzutage darunter verstehen)

 

 Bartali und Coppi -  Col du Galibier, Tour de France 1952


Welcher der beiden hat die Wasserflasche an den anderen übergeben? Das zu wissen, interessiert uns nicht wirklich. Was zählt ist die menschliche Geste der Solidarität gegenüber demjenigen, der mit uns läuft bzw. fährt. Unser Konkurrent, der vielleicht sogar vor uns die Ziellinie überquert. Aber das spielt keine Rolle, denn sein und Dein Leben bestehen aus demselben Material, seine Anstrengung ist die Deine, seine Sehnsucht ist die Deine.

 

 

Solidarwirtschaft ist eine gemeinsame Sehnsucht.

 

Das Wirtschaftsmodell, das wir gemeinsam mit Euch als Verbraucher und Konsum-Akteure (im itl. consumAttori) aufzubauen versuchen, ist noch nicht tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. Vor unseren Augen und in unserer Kultur spielen andere Werte eine wichtige Rolle. Und diese sind es, die unsere Kultur und unser Handeln schleichend formen.

Eine gerechtere Wirtschaft – eine Kultur, eine Gesellschaft – zu schaffen, das ist der Ehrgeiz von uns allen. Mit unserer Arbeit und unseren Leben versuchen wir zu zeigen, dass es einen anderen Weg gibt, einen der funktioniert (und zwar gut!).

Aber der Boden unter unseren Füßen wurde lange Zeit mit chemischen Düngermitteln behandelt - ein ausgeglichenes Wachstum ist daher eine Herausforderung.

Und so kommt es vor, dass die Knappheit einer Sache (zum Beispiel die Avocados) selbst in unserer Welt eine milde Form von KONKURRENZ zwischen Konsumenten, Händlern und Produzentengruppen hervorruft, um sie zu ergattern.

 

Und wir, die wir lautstark behaupten das “Wachstum der Konkurrenz” zu unterstützen, weil für uns Konkurrenz bedeutet „zusammen zu laufen“, haben die Pflicht genau diese Vorkommnisse zu nutzen, um uns selbst nach der tiefgreifenden Bedeutung dieses Begriffes zu fragen.

Wie können wir zusammenlaufen (con-correre) ohne uns mit unseren Ellbogen den Weg zu bahnen, um als Erster anzukommen? Wie reagieren wir also auf die niederen Impulse, die in unseren Seelen existieren, die uns dazu bringen, uns nicht mehr ins Gesicht zu schauen, um zu bekommen, was wir wollen? Wie gehen wir mit diesen Impulsen um – menschlich natürlich – in einer Art & Weise, die uns besser gefällt, ohne Gewinner und Verlierer zu schaffen?

Konkurrenz kann bedeuten - und hat früher bedeutet -, anderen die Möglichkeit zu bieten, einen neuen Weg zu begehen, den wir mühsam eröffnet, aber für alle eröffnet haben. Mit dem Ziel, dass dieser Weg von so vielen Füßen wie möglich gefestigt und so zur Straße wird. Und so ist beispielsweise die S.I.P entstanden (Sbarchi In Piazza*, dt. „Landung auf Plätzen“, hier eine kurze Vorstellung auf Italienisch und hier ein italienisches Video; *kurzgefasst geht es darum, auf den Marktplätzen der Städte zu „landen“, um vielen Menschen die solidarische Wirtschaft näher zu bringen).

Konkurrenz kann bedeuten - und hat früher bedeutet -, dass sie einen Anreiz für positive Kreativität schafft. Dass sich innovative Formen der Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure bilden, um die Verfügbarkeit eines raren Gutes auf gesunde Weise zu erhöhen. So ist die Co-Produktion unserer Avocados entstanden (durch Privatkredite unserer KundInnen und FreundInnen konnten neue Avocadohaine entstehen und so reicht unsere Produktion für eine größere Gemeinschaft).

 

Aber Konkurrenz kann gleichzeitig auch bedeuten, dass man unbeabsichtigt auf die Füße der anderen tritt, die neben uns laufen, wenn man zu sehr darauf bedacht ist, sein Ziel zu erreichen. So erzeugen wir die gleiche rüpelige wirtschaftliche Dynamik, die wir zu bekämpfen versuchen. Ein knappes Produkt kann ein Grund für einen Zusammenstoß derjenigen sein, die in dieselbe Richtung laufen oder laufen möchten. Es kann vorkommen, dass wir Produzenten in unseren Kreis mit einbeziehen, mit denen auch andere Gruppen arbeiten möchten. Es kann passieren, dass man zusammenstößt, es ist aber nicht unsere Absicht, Kriege jeglicher Art zu beginnen.

 

Wie also kann man denjenigen die Hand reichen, die sich durch unsere Tätigkeit verletzt fühlen könnten? Wie kann man positiv auf die Wettbewerbsdynamik reagieren die (unvermeidlich?) entsteht? Wie können wir Konflikte (leider unvermeidlich) in einen positiven Ansporn verwandeln, anstatt die „egoistisch-kriegerischen“ Impulse zu nähren, die sich in unsere Herzen schleichen?

Wenn wir uns gemeinsam mit dieser Frage auseinandersetzen, könnte diese Frage die schöpferische Kraft enthalten, die es uns ermöglicht, Sozial- und Solidarökonomie wieder voranzubringen…

Und sogar noch mehr. Das Thema Konkurrenz bringt uns direkt dazu, über ein anderes heikles Thema nachzudenken, welches permanent in den Diskussionen derer auftaucht, die unseren „Pollaio“ (dt. Hühnerstall) lenken oder mit ihm in Verbindung stehen: das Wachstum.

Mit unserer Erfahrung haben wir verstanden, dass “klein schön ist” aber zusammen besser ist. Nur wenn wir viele Kleine sind, können wir überhaupt daran denken, die „Großen“ ins Wanken zu bringen, die wir nicht mögen (zum Beispiel die großen organisierten Händler). Wir viele Kleine können nur zusammen Ziele erreichen, die für jeden Einzelnen reine Utopien gewesen wären. Zusammen können wir es wagen auf eine wahrhafte Kreislaufwirtschaft hinzuarbeiten.
(Denken wir zum Beispiel an das Projekt SucCompost*, das einem einzelnen Hof nicht gelingen könnte, welches allerdings gemeinsam Realität wird. Oder an das Projekt FiCoS*, das wir nur dank der Stärke des Konsortiums unterstützen können.)

*SucCompost: ein aktuelles Projekt, das überlegt wird, um aus den aussortierten Orangen Saft zu machen und aus den Schalen wiederum Kompost herzustellen

**FiCoS: der direkte, kurze Weg zwischen den sizilianischen Bauern und den sizilianischen Konsumenten

Aber wie findet man eine Grenze für das Wachstum dieser kollektiven Organisation? Uns ist bewusst, dass wir einerseits (noch) nicht groß genug sind, um die Großen ins Wanken zu bringen. Auf der anderen Seite sind wir zu viele für die, die mit uns laufen und die uns wahrnehmen als einen metaphorischen großen Fischfänger, der alles abfischt und nichts den anderen Kleinen lässt. Wie können wir Erfolg haben, wenn wir es nicht schaffen, uns zu vereinen und den Krieg zwischen uns Kleinen aufzugeben, die wir doch alle in dieselbe Richtung wollen?

Ist es für uns notwendig, einen Schritt zurückzutreten, selbst wenn die Erwartungen der Familien, die an unserer Arbeit beteiligt sind, dadurch verraten werden? Sollten wir auf unsere Privilege verzichten, die wir uns mit viel Arbeit und langen Prozessen gegenseitigen Kennenlernens und Vertrauens aufgebaut haben? Müssen wir unsere Türen für Produzenten schließen, die noch neu sind in der Solidarwirtschaft und das Konsortium als bloße Handelsplattform betrachten?

Oder können wir vielleicht unseren privilegierten Platz nutzen, um konkret über die Möglichkeit nachzudenken, die von uns getragenen Werte zu verbreiten? Und wenn ja, wie? Indem wir stärker werden? Andere unterstützen, damit sie in gegenseitigem Respekt wachsen? Aber wie kann man in diesem Fall dasselbe Vertrauen aufrechterhalten oder aufbauen?

 

Wie können wir erneut versuchen das lang ersehnte große WIR zu schaffen, das es uns ermöglicht uns Gleichgesinnte zu verbünden, anstatt Krieg zu führen?

 

Es ist eine alte Frage auf die wir noch nicht die richtige Antwort gefunden haben. 

Wir möchten (wieder) versuchen, Antworten auf diese wiederkehrenden Fragen mit Euch, liebe Freunde & Kunden, liebe „Konkurrenten“ zu finden. Gemeinsam zu verstehen, wie die nächsten Schritte aussehen sollten, um über uns hinauszuwachsen und um dieses Modell der Wirtschaft (der Kultur und der Gesellschaft), gemeinsam zu verfeinern.  

Die Solidarwirtschaft ist eine Sehnsucht und ist als solche (noch) nicht erreicht.

Aber die Utopie vieler, kann ein konkretes gemeinsames Ziel werden.

Und dieses Ziel kann erreicht werden.

 

Hinweis:

Dieser Pizzino / Schnipsel entstand aus einer intensiven internen Reflexion im Konsortium, ausgelöst von einem von außen kommendes Beben.

Ein kleiner „Vorfall“, der sich zu einer Chance für kollektives Wachstum entwickelt: eine Lieferung Avocados wurde von einem kalabrischen Produzenten an das Konsortium verkauft, anstatt an eine andere Gruppe, die die Avocados wohl ebenfalls gerne gekauft hätte. Der Produzent stand weder in kommerzieller noch irgendeiner anderen Verbindung mit dem Konsortium oder der anderen Gruppe.

Da es uns weder gefällt, noch je gefallen hat, dass das Flüstern von Ohr zu Ohr lauter wird und zu einem bereits viel zu lauten Hintergrundrauschen beiträgt, nutzen wir diese Gelegenheit, um Euch alle zu einer kollektiven Reflektion einzuladen.

 

Vielen Dank für Eure Teilnahme & Eure Gedanken

 

BEGRIFFSERKLÄRUNGEN

 

SucCompost

SucCompost ist ein Projekt, das die glücklichen Hühner starten wollen, um die aussortierten Orangen weiter verwerten zu können. Bisher werden diese (nicht kostendeckend) an die Industrie abgegeben, die sie zu Saft verarbeitet. SucCompost beschäftigt sich damit, die Orangen zu eigenem Saft zu verarbeiten und die Frucht- und Schalenreste in einem speziellem Verfahren zu Kompost (daher auch der Name, succo = Saft, Compost = Kompost) zu verarbeiten, der auf den Feldern der Höfe des Konsortiums wiederverwendet wird. Somit wäre ein weitere Schritt Richtung Kreislaufwirtschaft getan.

FiCoS

Filiera Corta Sicilia =“die kurze Kette Siziliens“: ein Projekt, in das bereits viel Vorarbeit von Seiten des Konsortiums und anderer Akteure gesteckt wurde und das hoffentlich bald startet um die sizilianischen Bauern direkt mit den sizilianischen Konsumenten zu verknüpfen. Die Idee ist, mit einer gemeinsamen Organisation die kleinen Produktionen der einzelnen, nachhaltig arbeitenden, Bauern zu bündeln und den Konsumenten auf kürzestem Weg zukommen zu lassen.